Aktuelles, Tipps und Urteile

Das Berliner Testament - beschränkte Sicherheit für Erblasser

Aktuelles, Urteile und Tipps >>

Das Berliner Testament setzt voraus, dass es durch Eheleute oder eingetragene Lebenspartner errichtet wird. Nicht eheliche Lebensgemeinschaften können ein Berliner Testament nicht errichten. Kostenlos ist es ebenfalls nicht, auch dann nicht, wenn es handschriftlich selbst verfasst wird. Tatsächlich entstehen bei privatschriftlichen Testamenten nach dem Erbfall Gebühren für die Eröffnung des Testaments, Gebühren für den notwendigen Antrag auf Erteilung eines Erbscheins sowie die Gerichtsgebühr für die Erteilung des Erbscheins. Das kann durchaus teurer sein, als die Errichtung eines notariellen Erbvertrag oder eines notariellen Testaments.

 

PROBLEMFALL - ABÄNDERUNG

Nach dem Tod des ersten Erblassers ist grundsätzlich eine Änderung des Berliner Testaments nicht mehr möglich. Das hat zur Folge, dass der Erbe an die Regelungen des Testaments gebunden ist.  Was ursprünglich gewollt war, kann sich aber im Verlauf der Zeit geändert haben. Erwirbt der Erbe nach dem Todesfall ein Vermögen, kann er darüber für seinen Todesfall nicht anderweitig neu verfügen. Treten Kinder oder neue Partner hinzu, kann ebenfalls nicht mehr anderweitig verfügt werden.  Wenn nach dem Tod des Ersten ein Kind die Pflege des Überlebenden übernimmt und dafür u.U. auch erhebliche persönliche Aufwendungen tätigt, kann dieses Kind dafür nicht extra im Todesfall bedacht werden. Die eingesetzten Erben bleiben gleichgestellt, egal, ob sie sich gekümmert haben, oder nicht. Es bleibt bei der ursprünglichen testamentarischen Regelung. Eine solche Wirkung wird aber oft nicht gewollt sein.

Die Bindungswirkung der wechselbezüglichen Verfügungen entfällt, wenn der überlebende Ehegatte die Erbschaft ausschlägt (§ 2271 II BGB) oder das Testament anficht (§§ 2078 ff. BGB). Für die Anfechtung bedarf es allerdings eines Grundes, wie z. B. der Wiederheirat; Fristen müssen eingehalten werden. Das wird leicht übersehen und führt dann oft zu Rechtsverlusten oder Streitigkeiten.

PROBLEMFALL - AUSLAND

Bei einem gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland kann das ausländische Erbrecht gelten. Dieses gilt etwa für diejenigen, die ihren Lebensabend im Wesentlichen auf der spanischen Finca beschließen wollen. Bestimmte europäische Rechtsordnungen erkennen das Berliner Testament aber nicht an, so etwa Frankreich, Italien und auch Spanien. Dann ist das Berliner Testament relativ wertlos; es kann das ausländische Erbrecht gelten. Das kann zur Folge haben, dass der überlebende Ehegatte nicht wie vorgesehen erbt! In vielen Ländern sind zudem die Pflichtteile höher als in Deutschland und können nicht in Geld bezahlt werden. Hier ist ein Berliner Testament nicht zu empfehlen. 

PROBLEMFALL - STEUERN

Bei einem Berliner Testament werden unter Umständen steuerliche Freibeträge übersehen und „verschenkt“. Denn die steuerlichen Freibeträge stehen jedem Kind pro Elternteil zur Verfügung. Werden diese im 1. Todesfall nicht ausgeschöpft, können die Freibeträge nach dem 2. Todesfall u.U. nicht mehr ausreichen. 

Weiterführende Informationen erhalten Sie bei Ihrem Notar oder Ihrem Rechtsanwalt

Kanzlei Bruckmann-Germer-Scholten
Duisburger Str. 73
46535 Dinslaken

Tel: 02064 44950 Fax: 02064 449566

www.bgs-recht.de

Zuletzt geändert am: Apr 27 2015 um 15:25

Zur Übersicht >>

Subscription expired
RSSbox powered by rssinclude.com
Subscription expired
RSSbox powered by rssinclude.com
Subscription expired
RSSbox powered by rssinclude.com