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Die Erbfolge in der Patchwork Familie

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Rechtslage

 

Die Besonderheit einer Patchwork Familie besteht darin, dass ein oder beide Elternteile bereits verheiratet waren und gemeinsame und / oder Stiefkinder vorhanden sind.

Wenn der 1. Ehegatte stirbt und keine letztwillige Verfügung existiert, erben die leiblichen Kinder des Erstverstorbenen und der überlebende Ehegatte. Die „Stiefkinder“ erben nichts. Das gleiche gilt beim Tod des zweiten Ehegatten. Nur gemeinsame Kinder würden erben, aber nicht die Kinder des Erstverstorbenen. Da sich das Vermögen des überlebenden Ehegatten durch das Erbe vergrößert hat, ist der Erbteil für dessen Kinder größer.

Ist ein Testament vorhanden, in dem sich beide Ehegatten als alleinigen Erben einsetzen, kann sich die Situation noch verschlimmern, weil dann die leiblichen Kinder nur einen Pflichtteil bekämen. Die Kinder des überlebenden Ehegatten würden noch mehr profitieren. Es wäre dem Zufall überlassen, wer wieviel erbt.



BEISPIELSFALL

 

Der Mann war verheiratet und hat ein Kind aus erster Ehe mit der 1. Ehefrau. Mit der neuen Ehegattin ( 2. Ehefrau ) hat er ein gemeinsames Kind. Nach dem Tod des Mannes erben der neue Partner ( also die 2. Ehefrau  ) und Kind 1 und Kind 2.

Damit „profitiert“ der geschiedene Gatte ( 1. Ehefrau ), wenn das Kind 1 minderjährig ist, weil die Frau 1 dann für das Kind das geerbte Vermögen verwalten kann.  Stirbt das Kind 1 anschließend, würde sogar die geschiedene Frau 1 erben.

Stirbt die 2. Ehefrau zuerst, würde der Mann und nur Kind 2 erben. Wenn dann später der Mann stirbt, würden wiederum beide Kinder erben. Kind 2 wäre aber besser gestellt, weil das Kind 1 nach dem Tod der 2. Frau  nichts geerbt hat.

Hätte auch die 2. Frau ein oder mehrere Kinder aus vorangegangen Ehen, wäre es noch schwieriger, weil diese Kinder dann nichts erben würden, wenn der Mann stirbt.

 

Unangenehm wird es, wenn ein minderjähriges Kind vorhanden ist. Dann würde der geschiedene Ehegatte für das Kind die Erbansprüche gelten machen können, hätte also Auskunftsrechte, wenn dieses Kind testamentarisch nur den Pflichtteil erben soll. Wird das Kind Vollerbe, ist die Situation nicht besser.

Der neue Ehegatte müßte sich also mit dem geschiedenen Partner des Verstorbenen auseinandersetzen müssen.

Es liegt auf der Hand, dass keiner gerne Auskunftsansprüche erfüllt. Wer möchte schon einem ehemaligen Partner des verstorbenen Gatten etwa erläutern, wieviel Vermögen in der neuen Ehe angehäuft wurde?

Wird eine Immobilie vererbt, kann der geschiedene Gatte für das minderjährige Kind Einfluß nehmen, wie mit dem Haus verfahren wird. Ggfs. wird eine Versteigerung betrieben.

Schließlich entspricht es nicht dem Willen der Ehegatten, dass der Zufall entscheidet, wer später wieviel erbt.

 

LÖSUNGEN

 

Eine pauschale Lösung läßt sich in Patchworkfamilien nicht finden. Dafür gibt es zuviele Möglichkeiten. Neben der Frage, wieviele Kinder vorhanden sind, spielt es eine Rolle, ob die neuen Partner verheiratet sind. Auch das Vermögen ist von Bedeutung und der Wunsch der Beteiligten, wie dieses später verteilt werden soll.

Zudem sind noch die Freibeträge zu beachten. Stiefkinder werden zwar den ehelichen Kindern gleichgestellt. Jedoch ist im Einzelfall eine besondere erbrechtliche Gestaltung geboten, um die Freibeträge auszunutzen. Setzen sich die Ehegatten als alleinige Erben ein, werden etwa die Freibeträge der Kinder nicht ausgenutzt.

Das „übliche“ Berliner Testament ist bei der Patchworkfamilie keine brauchbare Lösung, weil dieses die Einflußnahme des geschiedenen Ehegatten nicht ausschließen kann. Ein gemeinschaftliches Testament setzt außerdem voraus, dass die Partner verheiratet sind, § 2267 BGB.

 

TESTAMENT ODER ERBVERTRAG

 

Die Erbfolge kann durch Testament oder Erbvertrag geregelt werden. Bei unverheirateten Paaren scheidet ein gemeinschaftliches Testament aus. Der Erbvertrag bietet die größere Sicherheit.

VOR — UND NACHERBE

 Ein probates Mittel der Steuerung des Nachlasses ist die Einsetzung von Vor — und Nacherben. Dieses bewirkt die Trennung der Vermögensmassen, wobei dieses unterschiedlich ausgestaltet werden kann. Ersatzerben können eingesetzt werden.

 

TESTAMENTVOLLSTRECKUNG

 

Um dem  geschiedenen Partner den Zugriff  zu verwehren, kann eine Testamentvollstreckung angeordnet werden.

 

Natürlich sind auch weitere Gestaltungsmöglichkeiten gegeben, über die wir gerne beraten. Die vorstehenden Ausführungen sollen nur eine kurze Einführung bieten.


Zuletzt geändert am: Nov 14 2015 um 10:35

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